Nina Schnider über Meinungsvielfalt als Retter der Demokratie

Shownotes

Nina Schnider kämpft für eine Demokratie, die sich nicht von selbst versteht. In der neuen Folge „Neue Stimmen aus Österreich" spricht sie darüber, warum Zivilgesellschaft heute mehr sein muss als guter Wille – und warum Kommunikation darüber entscheidet, wer die Debatte gestaltet.

Die gebürtige Schweizerin lebt und arbeitet in Wien, wo sie als Geschäftsführerin von Faktor D Menschen zusammenbringt, die Strategien für eine starke Demokratie entwickeln. Mitgegründet hat sie außerdem Demokratie21 sowie relevant.news, Österreichs erste Plattform für lösungsorientierten Journalismus – zwei Projekte, die zeigen, wie ernst es ihr mit der Sache ist.

„Wir müssen wieder lernen, unterschiedliche Meinungen zuzulassen!“

Ihr Antrieb ist eine einfache Beobachtung: Demokratie entscheidet sich nicht nur an Wahlabenden, sondern im Alltag – dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen und unterschiedliche Perspektiven aushalten. Genau deshalb setzt sie auf strategische Allianzen statt auf Einzelkämpfertum. Wer Politik, Journalismus und Zivilgesellschaft miteinander verbindet, schafft nach ihrer Überzeugung mehr Wirkung als jede isolierte Initiative.

Am Ende warnt sie vor einer Falle, in die viele tappen: Wer nur noch reagiert, statt selbst zu gestalten, hat die Auseinandersetzung schon halb verloren. Für Nina Schnider ist das kein Nebenschauplatz, sondern der Kern ihrer Arbeit an der Schnittstelle von Demokratie und Journalismus.

„Die große Gefahr ist, auf die Angriffe einfach nur zu reagieren!“

Transkript anzeigen

00:00:03: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Neustift.

00:00:07: Im Podcast der interessante Menschen und Themen aus der Zivilgesellschaft vorstellen.

00:00:11: Mein Name ist Andreas Schiemanns,

00:00:12: um mein Name ist Jörg Schumacher.

00:00:14: Schön dass ihr dabei seid!

00:00:16: Schön das du heute wieder bei mir bist und heute geht es ausnahmsweise nicht jetzt meiner gesagt aber um ein ernstes Thema oder?

00:00:25: Ja Jörgg ich freue mich auch, dass wir zu diesem ersten Thema genauer vorstellen werden.

00:00:33: Gesprächspartnerin, dass wir auch in dem Podcast den Raum finden um über die Herausforderung unserer Gesellschaft auch mal etwas ernster zu sprechen als wir sonst tun.

00:00:46: Oh Gott das hast du jetzt verklausuliert um mir den Spannungsbogen zu lassen ne?

00:00:49: Okay ja dann

00:00:51: wollen

00:00:52: wir es mal machen.

00:00:52: genaues geht nämlich um das Thema Demokratie und zwar heute nicht so ganz abstrakt wie sich anhört und wir haben uns eingeladen.

00:01:00: Nina Schneider herzlich willkommen!

00:01:02: Ja, hallo!

00:01:03: Vielen Dank für die Einladung.

00:01:06: Schön, dass Sie bei uns sind und ich muss Sie kurz vorstellen.

00:01:08: Sie sind gebürtige Schweizerinnen, leben und arbeiten aber in Wien.

00:01:12: Sind die Geschäftsführer von Faktor D bringen Menschen zusammen und entwickeln Strategien für eine starke Demokratie?

00:01:21: Da müssen wir uns gleich noch erzählen was das bedeutet.

00:01:23: Und außerdem haben sie das Projekt Demokratie ein zwanzig entwickelt und relevant News Österreich's erste Plattform Für lösungsorientierten Journalismus.

00:01:35: so Und jetzt müssen wir uns einmal erklären, was machen Sie genau Frau Schneider?

00:01:41: Ja das fühlt sich manchmal aufregen an und ich dachte mir schon tatsächlich dass diese Frage kommt.

00:01:51: Eine einfache oder vielleicht doch komplizierte Arbeit ist es in den letzten Jahren immer wieder daran Arbeiterverbindungen im demokratischen Ökosystem herzustellen Weil die Herausforderung, die wir ja unter anderem haben ist dass wir sehr vereinzelt arbeiten.

00:02:07: Die Medien denken über die Medienkrise oder die Krise des Journalismus und die Zivilgesellschaft reagiert auf Angriffe Und wir verbinden das viel zu selten und ich glaube es ist einfach wichtig, dass wir all dieses Wissen Beziehungen und Ressourcen und gute Ansätze Ich gehe davon aus, die Lösungen sind in Wirklichkeit schon alle da Oder haben wir in der Historie gelernt mehr und stärker verbinden, statt immer wieder bei Null zu beginnen.

00:02:33: Soweit in den Artschell!

00:02:36: Okay, das hört sich sehr spannend an.

00:02:38: Denn in der Tat haben wir in der Vergangenheit auch hier diesen Podcast und bei Neues Stiften immer mal wieder gesprochen mit Organisationen die sagen ist ganz wichtig man muss sich engagieren.

00:02:48: stichwort Anti-NGO Narrativ.

00:02:50: aber die Vernetzung ist tatsächlich

00:02:52: das

00:02:53: womit sich dann wie soll ich sagen unsere Branche aber auch generell alle die für Demokratie eintreten wollen ja ein bisschen schwer tun.

00:03:02: was meinen Sie woran liegt es?

00:03:05: Ja, also ich glaube ganz einfach es liegt an den Ressourcen.

00:03:09: Wir haben alle sehr wenig Zeit und ich glaub eben also geht's wirklich darum zusammenzuarbeiten oder reicht das manchmal nicht?

00:03:17: Einfach auch voneinander zu wissen dass es einander gibt und woran die jeweilig andere Person da ist oder was man sich von den anderen Organisationen vielleicht auch abschauen kann.

00:03:29: Das ist so das eine und das andere im Sinne von Verbindung und gegenseitiges Vertrauen.

00:03:36: Und zwar nicht erst, wenn es brennt sondern eben schon vorher weil Vertrauen senkt die Kosten gemeinsamer Handlung.

00:03:44: ich kann viel jemand einfach jemanden anrufen Ich kann auf Menschen zugehen.

00:03:48: Menschen stehen für mich ein oder gehen für mich ins Risiko und ich glaube das ist einen oft unterschätztes Gut.

00:03:57: Wenn Sie sagen sie bringen Menschenorganisation zusammen Wie sieht das konkret aus?

00:04:02: Ich glaube, sie planen gerade ein Festival.

00:04:05: Also da kann man nicht mir was drunter vorstellen.

00:04:07: aber wie ist das konkret in ihrem

00:04:10: Alltag?

00:04:11: Ja, also wir planen gerade ein Festival.

00:04:13: Das findet nächste Woche in Berlin statt tatsächlich das Mitmacht-Festival.

00:04:16: was machen wir heuer gemeinsam mit der Re-Campaign?

00:04:19: weil es ja eben auch darum geht aus die eigenen Blase rauszukommen und vielleicht auch ein bisschen lauter zu werden.

00:04:25: Das ist unser größter Arbeitsraum bei Faktor D und da geht's eben um die Begegnung uns miteinander arbeiten aber eben auch und das ist ganz wichtig sich auch aufeinander zu einigen, auf welche Ziele arbeiten wir überhaupt zu?

00:04:39: Was ist denn überhaupt unser gemeinsames Bild?

00:04:43: und das machen wir am Mitmachtfestival in diesem aktiven Wissenaustausch mit Strategierenden, mit Panels um diese ganzen Themen und Fragen die uns alle beschäftigen.

00:04:52: Und da sind ja extrem viele Ebenen beispielsweise die Wahlen oder die Frage von wie sprechen wir eigentlich in einer gemeinsamen Sprache direkt vor Ort in Berlin ausgehandelt werden, aber das machen wir auch im Form von thematischen Allianzen.

00:05:08: Indem wir sagen okay was sind die Themen in denen die Demokratie verhandelt wird und welche Expertise braucht es dazu?

00:05:14: Und wer sollte gemeinsam an konkreten Lösungen oder Ansätzen oder die Lösungen zusammenbringen.

00:05:23: Das machen wir zum Beispiel rund um die Frage von Öffentlichkeitspolitik, wie schaffen wir eigentlich einen gemeinsamen Wirklichkeitsraum?

00:05:31: und auch eben nicht nur über Journalismus und Medien zu sprechen sondern da hat auch die Bildung spielt eine große Rolle, die Wissenschaft spielt eine grosse Rolle also all diejenigen Akteure in diesem Ökosystem eine Relevanz haben zusammenzubringen.

00:05:46: Das gibt es auch in anderen Themenfelden, aber ich gehe jetzt weiter im Sinne unserer Dauer.

00:05:53: Machen wir Playbooks und Playbooks nicht als der Masterplan weil wir sind ja pluralistisch als demokratische Gesellschaft sondern wir einigen uns in diesen Themen auf ein konkretes Zukunftsbild, auf konkrete Ziele, auf die er zugehen soll Bedingungen braucht, um dorthin zu kommen und das ganze eben Länderübergreifend im trinationalen Raum aber natürlich auch mit europäischer und internationaler Expertise.

00:06:24: Das klingt alles sehr einleuchtend.

00:06:27: liebe Frau Schnieder.

00:06:28: ich will mal so ein bisschen einen kritischen Blick werfen vielleicht weil wir reden ja über Demokratie und wir sind es alle einig übrigens hier auch auch wenn die Frage gleich etwas anders klingt dass es keine Alternative zur Demokratie gibt.

00:06:43: Jedoch, Sie haben ja zu Recht gesagt wir brauchen Verbindung Beziehung Vertrauen.

00:06:47: Das sind alles Dinge die in breiten Bevölkerungsschichten kein Rolle mehr spielen.

00:06:53: und ich habe das Gefühl, wenn wir über Demokratie erhalten, Demokratie sogar retten sprechen, gibt es in Teilen Deutschlands zumindest über vierzig Prozent Erwählenden, die sagen ne, das ist für mich gar kein Konzept, das sich bewährt hat.

00:07:09: warum Warum soll ich jetzt in der Demokratie leben müssen, wenn doch sowieso dieser Pluralismus von dem wir gerade sprechen ja eh nur den genderfreundlichen hochvermögenen dient und nicht mir als armer Mensch irgendwo im Brandenburgischen.

00:07:25: Daher meine Frage wie schätzen Sie das ein?

00:07:28: Wie können wir unsere Demokratieblase öffnen und verlassen dass andere Menschen die sich davon abgewandt haben aus vielleicht auch verständlichen Gründen, wenn wir Ihre Lebenssituation oder Lebenswirklichkeiten wahrnehmen.

00:07:42: Was können wir wirklich tun um außerhalb dieser Blase zu agieren?

00:07:48: Ja es ist eine sehr schwierige und komplexe Frage.

00:07:50: ich habe da gestern einen Begriff gelesen der irgendwie für mich irgendwie eine gute Analyse ist von wo wir gerade stehen und zwar hat das Oskar Nekt geprägt und zwar Orientierungsnotstand.

00:08:04: Und ich glaube, das werfen wir vielen Parteien vor.

00:08:07: Die sollen ja mal so ein Bild machen was hingeht und ein bisschen anschlussfähiger sein.

00:08:11: aber vielleicht sollten wir uns das auch als Zivilgesellschaft fragen?

00:08:15: Wer sind wir eigentlich?

00:08:16: Wofür stehen wir?

00:08:18: Wie wollen wir eigentlich als Gesellschaft zusammenleben um die Zukunft eben nicht immer nur von Gegner her zu denken oder?

00:08:26: Weil... Ja!

00:08:28: Die Lage ist ernst und es ist eine große Mehrheit Und es kommen neue Wahlen auf uns zu.

00:08:37: Das müssen wir dann gesellschaftlich auch noch zuerst verarbeiten, was da alles passiert.

00:08:42: Ich glaube unter dieser ganzen Herausforderung liegt eigentlich eine Frage von Zugehörigkeit und das schaffen die Rechtsextremen ja recht gut ein recht großes Spektrum an Meinungen willkommen zu heißen.

00:08:56: Während ich nenne sie jetzt mal einfach so die Erwoche-Gesellschaft sehr schnell verurteilend ist.

00:09:02: Und ich glaube, es ist extrem wichtig dass wir da irgendwie uns auch ein bisschen öffnen und eben dieses schwierige Wort Ambiguität, Toleranz also auch wieder lernen in der Wokenbubble unterschiedliche Meinungen auszuhalten und nicht immer gleich zu verurteilen.

00:09:24: Also ich glaube hier ist so ein großer Hebel Und das ist eben eine der großen Herausforderungen, woran die Demokratie hinkt.

00:09:34: Dass wir sie mal sehr institutionell denken oder die da oben oder die Parteien aber diesen wichtigen Aspekt der Selbstwirksamkeit immer wieder nicht... Wie soll ich sagen?

00:09:46: Wir haben es nicht gehackt würden meine Kinder sagen!

00:09:50: Wir haben noch nicht verstanden wie's gelingen kann.

00:09:53: Weil wenn man eben die verschiedenen Forschungen anschaut, dann sehen wir auf der einen Seite das politische Ohnmacht und auf der anderen Seite aber auch viele Daten immer wieder die zeigen okay.

00:10:04: Aber im unmittelbaren Umfeld ist diese Wirksamkeit gegeben und da kann ich handeln und ich glaube das irgendwie zu übersetzen oder zu verstehen wie wird da besser den Menschen wieder diese Selbstwirksamkeit zurückgeben können oder auch einfach zuhören können, was da überhaupt die Bedürfnisse sind.

00:10:24: Das klingt jetzt alles total soft aber ich glaube dort liegen einfach große Hebeln.

00:10:29: Gut, aber wenn Sie jetzt sagen, noch sind wir nicht dahintergekommen.

00:10:33: Noch haben wir nicht gehackt.

00:10:34: Ich habe es gerade gelernt.

00:10:37: wie es geht ist es aber doch ehrlicherweise so auch grad bei Ihnen in Österreich.

00:10:43: Wie soll ich sagen?

00:10:43: Ist ja doch ein bisschen fünf vor zwölf.

00:10:45: Ja die FPÖ ist auf dem Weg quasi an alle Hebel zu kommen.

00:10:50: Die Hebel werden umgelegt gerade für gemeinnützige Organisationen dann versieg der Geldstrom.

00:10:56: Auf der anderen Seite hat man mit dem Anti-NGO Narrativ ja durchaus eine Erklärungsnotstand auch, weil alles in Frage gestellt wird.

00:11:05: Also von wegen positiv ist daran fast nichts mehr.

00:11:08: also das heißt was raten Sie denn in so einer Phase?

00:11:13: Ich glaube die große Gefahr die wir immer wieder laufen ist wenn wir nur reagieren dann bleiben wir im Rahmen der anderen die uns diese Angriffe vorgeben.

00:11:25: Also ich glaube eben tatsächlich die Antwort, die ich schon initial gesagt habe mit dieser Frage nach diesem gemeinsamen Bild und diesen gemeinsamen Ausungs- Handlungsprozess.

00:11:33: Wofür stehen wir eigentlich?

00:11:36: Ist wirklich eine wesentliche weil wir sonst eigentlich nicht selbst gestalten sondern eben nur in Reaktionen und im... Und nicht mehr selber handeln.

00:11:47: und ja also genau kurz gesagt ist es glaub ich absolut das dass wir uns einigen und zwar eben nicht in der Zivilgesellschaft oder nicht in die Politik, sondern eben im gesamten demokratischen Ökosystem in Verhandlungen gehen.

00:12:04: Wofür stehen wir?

00:12:05: Welche Zukunft wollen wir eigentlich miteinander

00:12:07: haben?".

00:12:09: Und dann löst sich durch das ja eben vielleicht auch dieses Thema der Zugehörigkeit und dann verändert sie vielleicht auch die Stimmen.

00:12:16: Und dabei muss ich sagen dass ich da auch nicht sehr zuversichtlich draufschauen.

00:12:23: In Deutschland sehen wir ja gerade was passiert.

00:12:27: Ich denke, es wird irgendeine Weiterhin hohe Zahlen geben für die FPÖ in Österreich und gleichzeitig sehen wir aber auch international dass das immer auch ein Kommen-und ein Gehen ist!

00:12:43: Wir müssen eben nichts von Null erfinden weil in Wirklichkeit haben wir in Polen, Ungarn oder vielen anderen Ländern gesehen, wie kann sich die Zivilgesellschaft gut zusammenraufen?

00:12:55: Was kann man da konkret tun?

00:12:57: Welche Fehler haben sie gemacht und vielleicht nicht wiederholen.

00:13:04: Also kurz gesagt ein Bild, ein gemeinsames.

00:13:09: Ja aber Frau Schnir, Sie haben ja recht!

00:13:11: Eigentlich müssten wir nur gucken, wie es andere gemacht haben steht ja die Demokratie wie das Kaninchen vor der Schlange, von dem Ergebnissen dass wir da haben und wir tun so als wenn es uns in der Dachregion auf einmal vollkommen überraschend trifft.

00:13:26: Das ist glaube ich mir jetzt gerade deutlich geworden mit ihren Worten.

00:13:30: Und dann sehe ich in Österreich ungefähr thirty-fünf Prozent der Menschen leben in den Städten.

00:13:35: Thirty bis vierzig Prozent ungefähr auf dem Land und das sind ja schon mal zwei verschiedene.

00:13:42: da finden wir ja gar keine gemeinsame Wahrheit.

00:13:44: Verstehe ich Sie richtig, dass sie sagen Wir kriegen das nur aufgelöst wenn ich als Voker Kaffeetrinker mit Hafermilch und E-Automobilität mich der Landbevölkerung ohne öffentlichen Verkehrsmittel, ohne Arzt vor der Tür geschweige denn mit einer ordentlichen Hafer Milche oder ein Barista Dass ich nicht von oben herab gucke auf diese Menschen aus ihrer nationalistischen Brille auf mich herabgucken.

00:14:12: Wie überwinden wir eigentlich real diese Zwischenräume, von denen sie gerade gesprochen haben?

00:14:19: Was ist da ihr Konzept?

00:14:20: Es kann ja nicht ein Festival sein, wo dann sowieso nur die hinkommen wie auf eine Demo gegen die Demokratie stimmen und die anderen sind für die Demokratien.

00:14:29: aber es gibt keine gemischten Veranstaltung.

00:14:32: also machen Sie mir doch einen Stück Mut dass wir die Demokraties wieder salonfähig machen bitte Vorschnieder.

00:14:38: Ja, die Zwischenräume sind eine große Herausforderung.

00:14:43: Eine Antwort liegt in Räumen tatsächlich in den sogenannten dritten Orten oder Allzeitorten, wo sich diese Orte über die Bubble hinaus trifft?

00:14:57: Weil das ist ja genau das Ding!

00:14:59: Die Hafermilch und der Kaffee und eine andere Person wie vielleicht in Wien einfach in das schöne alteingesessene Caféhaus, wo es noch gar keine Hafermilch gibt.

00:15:08: aber in der Bibliothek oder im Museum, an anderen Orten treffen sich doch all diese Blasen zusammen.

00:15:15: Und ich glaube vielleicht geht es nicht darum, einen Zwischenort zu füllen in diesem Stadt-Landgefälle-Fragen sondern wirklich die Worte zu finden wo diese Begegnungen noch stattfinden können und dort Angebote schaffen wie diese Menschen wieder mit einanderen Dialog kommen können.

00:15:36: Aber Frau Schneider wer soll dieser Ort ... finden und füllen.

00:15:39: Also ich erlebe alle Zivilgesellschaft, die Kaninchen gleich.

00:15:43: hier habt ihr ja gerade beschrieben da steht und eigentlich immer und das ist glaube ich ein Systemfehler immer wieder nach dem Staat ruft

00:15:50: nicht

00:15:51: am Anfang nur finanziell jetzt mittlerweile auch Verbote von Parteien und so eine Hilflosigkeit.

00:15:58: statt selber aktiv zu werden soll der Staat alles richten.

00:16:02: Ich meine, damit sind sicher die Rechten und die Linken erstmal einig, dass der Staat alles richten soll.

00:16:07: Aber sie haben unterschiedliche Vorstellungen was die richtige Richtung ist.

00:16:10: also wer soll es denn machen?

00:16:11: Hab ich Sie richtig verstanden das wir in der Zwiegesellschaft jetzt eigentlich diesen Knoten zerschlagen müssen?

00:16:19: Ich glaube wir sind ein sehr relevanter Teil von diesem Knotern.

00:16:23: aber ich glaube auch der Staat, die Ministerien, die Politik, die Regierung hat eine Mitverantwortung Und ich glaube eben auch zum Beispiel Bibliothekarinnen haben eine Mitverantwortung.

00:16:36: Ich meine wir reden wie gesagt, ich rede von einem Ökosystem und es betrifft uns alle und ich glaube das kann nur gelingen wenn wir wirklich miteinander arbeiten.

00:16:44: Und ich mein nach noch mal zurück zu den dritten Orten.

00:16:46: Ich rede hier ja nicht von neuen Häusern die gebaut werden unter Staat oder irgendeine große Stiftung baut sondern ich rede eben von welcher Infrastruktur gibt es denn schon?

00:16:55: Egal von wem sie betrieben ist ob eine Gemeinde Räumlichkeiten zur Verfügung stellt oder ob das eine Privatperson gemacht hat.

00:17:02: Das ist eigentlich völlig irrelevant, ich glaube wirklich Orte gemeinsam bespielen wo man sich begegnen kann muss die Verantwortung von uns allen sein.

00:17:12: Aber Sie haben eben gesagt wir müssen alle zusammenbringen und wir brauchen einen gemeinsamen Konsens.

00:17:17: wie macht man das?

00:17:17: Macht man das in der Schweiz mit so einer Umfrage?

00:17:20: oder wie passiert das ganz praktisch?

00:17:26: Ich glaube, es gibt ganz viele verschiedene Formen.

00:17:28: Und ich glaube da gibt's auch irgendwie nicht so eine Blaupause dafür weil das ja die verschiedenen Themen und Zielgruppe und Stakeholder haben alle ganz unterschiedliche Bedarfe.

00:17:37: also wie immer gibt es keine einfache Antwort.

00:17:41: Wir machen das bei Faktor D zum Beispiel so dass wir zuerst mal mapen ok wen gibts überhaupt da draußen?

00:17:48: und dann einfach einmal die Menschen fragen wer sich da einbringen Und über Kuration halt sehr gut darauf achten kommen da wirklich die verschiedenen relevanten Perspektiven zusammen, die dann stellvertretend für dieses Themenfeld einfach mal zusammensitzen und erarbeiten wie wo was kann das gehen.

00:18:09: Aber darüber hinaus gibt es ja auch andere Initiativen wie zum Beispiel in Österreich das europäische Forum Alpbach, wo auch immer sehr viele verschiedene Menschen zusammenkommen wo dann in kleineren oder längeren Sessions wirklich an den verschiedenen Feldern gearbeitet wird.

00:18:28: Dann in Österreich ist ja auch großgeschrieben im demokratischen System, die Sozialpartnerschaften.

00:18:34: Auch die treffen sich regelmäßig und sind miteinander im Austausch.

00:18:38: also ich glaube es ist eine Wischung zwischen eben repräsentativen Partizipationsprozessen aber natürlich auch der vielen Dialogräumen.

00:18:46: Ich glaube auch nur schon Austauschs ist Wirkung weil man dann eben voneinander weiß so dass ich besser irgendwie orientieren kann.

00:18:54: Genau Es braucht ein Mosaic von Lösungen für die demokratische Krise.

00:19:00: Nun kommen wir ja beide oder haben beide zu tun im Journalismus.

00:19:04: Ich bin quasi lange Journalist gewesen, oder bin es immer noch Sie?

00:19:09: Haben mit dieser journalistischen Plattform ja auch was getan.

00:19:12: Wir beiden wissen dass ich sag mal so Wer die Kommunikation oder wen die kommunikation gelingt der beherrscht auf die Diskussion.

00:19:21: nun ist Es natürlich im moment so.

00:19:22: in deutschland zumindest hat sich das anti NGO narrativ relativ zügig innerhalb von sechs Monaten verbreitet.

00:19:28: österreich ist es glaube ich nicht anders.

00:19:30: Also das heißt haben wir im Moment also gelingt uns die Kommunikation nicht oder haben wir den Zug verpasst?

00:19:37: Oder was läuft da schief, dass wir gegenüber diesen ganzen Kräften, die die Demokratie abschaffen wollen oder zumindest zerstören wollen, im Hintertreffen sind?

00:19:48: Wie gesagt... Wir reagieren auf diese Angriffe Und das ist ja ein ganz klares Baukastemodell.

00:19:56: Das könnte sein, dass wir vielleicht auch so einen Baukastenmodell brauchen, wo man über verschiedene Themen, verschiedene Botschaften durcheinander mischen kann.

00:20:06: Zudem kommunizieren wir fragmentiert und reagieren organisationsfixiert.

00:20:14: Medien verstärken diesen Diskurs, Algorithmen verstärkeln den Diskurs von was alles nicht geht.

00:20:21: Wir vergessen auch ein bisschen darüber zu reden oder hinzuschauen, was denn eigentlich alles geht.

00:20:28: Und ich glaube es ist auch elementar, dass wir eine gemeinsame Sprache finden.

00:20:34: Wenn wir eben so fragmentiert erzählen und kommunizieren.

00:20:37: wie können wir da eigentlich miteinander... Was heißt eigentlich auch emotional anschlussfähig beispielsweise kommunizierend?

00:20:45: Dazu haben wir jetzt gerade einen KI-Pod, eine Chatpod lassiert bei Faktor D für demokratisch anschlussfähige Kommunikation.

00:20:54: Eben nicht nur um zu verstehen was ist eine ideale Botschaft sondern eben auch um viel mehr irgendwie in einer Stimme zu sprechen im Richtung demokratisch und eben emotionale Kommunikations aber eben auch zu verstehen Wer sind eigentlich mögliche Botinnen?

00:21:09: Also sind wir als Zivilgesellschaft, sind wir auch als Vertreterinnen unserer Organisationen eigentlich die Richtigen für die Botschaften, die irgendwo hinkommen sollen?

00:21:18: oder erreichen wir andere Menschen vielleicht über Botinnen besser.

00:21:22: Ich denke da immer wieder zum Beispiel an die freiwillige Feuerwehr.

00:21:25: ja das ist so mein Lieblingsbeispiel.

00:21:28: wie wäre es wenn denn die mal sagen wieso sie sich einsetzen Genau, oder auch andere Stakeholder.

00:21:38: Und könnte die Freiwillige Feuerwehr einer dieser Orte sein von denen sie gerade gesprochen haben?

00:21:42: Weil diese sind ja anders als die klassischen NGOs politisch unverdächtig und ich glaube der Angriff gegenüber der Zivilgesellschaft hat genau diesen Zweck dass zivilgesellschaftliche Akteure eben nicht die Initiative ergreifen sondern gleich erst mal in die Ecke gestellt werden.

00:22:01: In der Feuerwehr ist es doch egal Woher ich komme, wie ich aussehe?

00:22:06: Was ich wähle.

00:22:07: Da ist jeder einzelne Mensch wichtig und keiner schaut auf den anderen herab und sagt hey du bist jetzt aber ein Deutscher, du bist hier bei uns in Wien bei der Feuerwehr nicht so willkommen.

00:22:18: Er im Gegenteil sondern auch da werden alle integriert.

00:22:20: Ist das ein Konzept dass ich dem gegenüber sage auch wenn er andere Vorstellungen von der Welt hat sei es Tempolimit, sei es Mülltrennung, sei fahrradfahren... Ja, du bist wichtig.

00:22:32: Du bleibst weiterhin mir auch wichtig, auch wenn wir in den Dingen nicht übereinstimmen.

00:22:37: Sie nicken nun ganz viel und sehen unsere Hörer nicht aber könnte das ein Ansatz sein?

00:22:42: Mehr Feuerwehr?

00:22:44: Ja mehr Feuerwehr, mehr Blasmusik, mehr Ort um verschiedene Menschen zusammenkommen glaube ich auf jeden Fall dass das eine ganz relevante Lösung ist.

00:22:54: Aber wenn wir auch noch mal auf dieses NGO-Angriffsnarrativ irgendwie gehen, dann ist es ja eben auch sehr stark und das Deck neben Feuer wäre oder die Blasmusik nicht ab.

00:23:04: Eben diese Frage, dass sie helfen und gesellschaftliches Engagement ja sehr aus positiv empfunden wird in der Abgrenzung dazu aber eben diese Frage nach Mitreden es nicht sein könnte, dass eigentlich unter diesen ganzen Angriffsframes in Wirklichkeit eine Machtfrage steckt.

00:23:29: Nämlich wer überhaupt gesellschaftliche Macht organisieren darf und sich einmischen darf.

00:23:35: Das ist ja eine sehr, sehr spannende Frage.

00:23:38: Nun haben wir im Vorgespräch festgestellt Sie betrachten das Ganze nicht wissenschaftlich aber trotzdem würde mich natürlich interessieren was glauben sie denn wenn sie eine Prognose wagen müsste?

00:23:49: wie wird dieses Machtspiel ausgehen in der nächsten Zukunft?

00:23:56: Es kommt darauf an weil wir reden immer von zukünften oder idealerweise es gibt immer verschiedene Wege die etwas gehen kann und Maria Meyerhofer von AufstehenAT hat einen schönen Begriff geprägt, der mich in die Beschäftigten nämlich der dieser geborgten Zeit nach den österreichischen Nationalrauswahlen letztes Jahr.

00:24:16: Wir bewegen uns in eine geborgte Zeit und momentan ist alles noch ein bisschen still und wir haben alle viele Fragen.

00:24:23: ich glaube meine Antwort wäre wenn wir mutig sind und bereit sind auch Fehler einzugehen oder zu machen um daraus zu lernen Und unser Echo ein bisschen hinter uns nehmen und uns fragen, was ist eigentlich ein gesellschaftliches Wir auf das wir uns einigen können?

00:24:43: Was ist der kleinste gemeinsame Nenner, auf den wir uns Einigen können.

00:24:47: Und wir stehen alle Gesamt dahinter und wir sprechen in dieser Sprache und wir verbreiten das dann glaube ich gibt es eine kleine Chance dass es gut wird.

00:24:58: Danke, dass Sie sagen Es gibt verschiedene Zukunfte Also in der Mehrzahl, es hängt davon ab was wir tun auf welchen Fahrt wie uns geben.

00:25:06: Aber vielleicht zum Schluss liebe Frau Schneider, was könnte denn an solcher gemeinsamen Nenner sein?

00:25:12: Ich nehme mal das Beispiel der Christen die ja eigentlich alle einen gemeinsamen nennen hätten aber auch genauso politisch zerstritten sind wie die Gesellschaft auch.

00:25:23: also muss ja noch kleiner sein als nächsten.

00:25:25: Liebe haben sie da für uns Menschen hier dem Podcast hören die Idee, wo wir anfangen können?

00:25:32: Wenn es so einfach wäre.

00:25:33: Ich glaube, sie sollten mehr über Werte sprechen weil ich glaube ganz viele Werte sind mehrheitsfähig und ich glaube da diejenigen zu finden, die für uns gemeinsam stark sind um die gemeinsam stark zu machen kann eine Lösung sein.

00:25:49: Dann vielen Dank für diesen optimistischen Schluss den Sie uns für den Podcast gegeben haben.

00:25:54: Vielen Dank Frau Schneider!

00:25:55: Vielen Dank fürs Gespräch.

00:25:57: Danke, dass Sie bei uns waren.

00:26:00: Vielen Dank, dass sie dabei waren!

00:26:01: Und wenn Sie mehr erfahren wollen über spannende Menschen und spannende Themen besuchen Sie uns auf unserer Website www.neues-stiften.de.

00:26:11: Wir freuen uns auf Sie.

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